Unter Führungskräften gesagt: Nur noch eine Kachel unter vielen
Shownotes
Eine Studie der Wharton School hat sechs Jahre lang untersucht, warum manche Führungskräfte partout am Büro festhalten, selbst wenn die Zahlen dagegen sprechen. Das Ergebnis hat wenig mit Vertrauen zu tun, dafür viel mit Narzissmus.
Grundlage ist ein Artikel von t3n über die dreiteilige Studie von Adam Grant, Marissa Shandell und Courtney Elliott, die mehrere Hundert Führungskräfte befragt haben, viele davon aus Fortune-500-Unternehmen. Die Ablehnung von Homeoffice korrelierte weder mit Vertrauen in die Mitarbeitenden noch mit einer Vorliebe für persönlichen Austausch, sondern zuverlässig mit einem einzigen Persönlichkeitsmerkmal. Die Folge zeigt, wie die Forschenden Narzissmus indirekt gemessen haben, welche Rolle die eigene Sichtbarkeit in der Videokonferenz dabei spielt, und was eine zweite, unabhängige Studie über die tatsächliche Produktivität im Homeoffice sagt.
Die Folge fragt außerdem, wie oft eine Präsenzregel offiziell mit Zusammenarbeit begründet wird, obwohl sie eigentlich einem ganz anderen Bedürfnis dient.
Die Kernbotschaft der Folge: Die eigentliche Frage lautet selten, ob Homeoffice funktioniert, sondern wessen Bedürfnis eine Regel wirklich bedient, wenn sie trotzdem verordnet wird.
Den vollständigen, kostenlosen Blogartikel finden Sie auf meiner Website unter www.wehl.info
Transkript anzeigen
00:00:11: Ja, herzlich willkommen zu Unterführungskräften gesagt.
00:00:14: Eine Studie der Wharton School hat sechs Jahre lang untersucht warum manche Führungskäfte Part II am Büro versalten – selbst wenn die Zahlen dagegen sprechen!
00:00:27: Das Ergebnis hat wenig mit Vertrauen zu tun aber es hat viel und das ist schon recht interessant mit Narzissmus
00:00:36: zu tun.
00:00:39: Adam Grant Und Marissa Chandler und Kourtney Elliott befragten für ihre dreiteilige Studie mehrere hundert Führungskräfte, viele davon aus Fortune-Five Hundred unternehmen.
00:00:53: Die Ablehnung von Homeoffice und hybridem Arbeiten korrigierte weder mit dem Vertrauen in die Mitarbeitenden noch – mit einer Vorliebe für persönlichen Austausch!
00:01:05: Das einzige Persönlichkeitsmerkmal das die Haltung zuverlässig vorher sagte war Nazismus.
00:01:13: Die Kernthese der heutigen Folge, Präsenzpflicht wird in Unternehmen fast immer als Unternehmensinteresse verkauft.
00:01:21: Oft ist sie aber ein persönliches Bedürfnis der Führungskraft das sich als Organisationsentscheidung verkleidet.
00:01:32: Nun, da sich die Größe eines Egos schlecht direkt messen lässt, griffen die Forschenden auf Faktoren zurück, die sich in früheren Studien bereits als zuverlässige Indikatoren für Nazismus erwiesen hatten.
00:01:46: Darunter das eigene Gehalt im Verhältnis zum restlichen Führungsteam.
00:01:52: Je höher dieser Wert desto stärker das Streben nach zusätzlichen Machtposition und desto negativer vielen in den ersten beiden Pandemiejahren die Aussagen über Homeoffice aus.
00:02:05: Ausgerechnet jene Geschäftsführerinnen und Geschäftsführer, die ihre eigene Bedeutung am höchsten einschätzten waren also am konsequentesten dagegen dass andere von zu Hause aus entscheiden dürfen wo und wie sie arbeiten.
00:02:23: Ich erkenne dieses Muster allerdings aus der eigenen Vergangenheit und aus der anderen Richtung.
00:02:30: In meiner Zeit als Abteilungsleiter habe ich mich mehrfach für ein hybrides Modell mit sechzig Prozent Homeoffice stark gemacht.
00:02:39: Mit aus meiner Sicht ordentlichen Zahlen und auch guten Argumenten.
00:02:45: Am Ende landeten wir bei vierzig Prozent, weil es von der Ebene über mir so entschieden wurde.
00:02:51: offizielles Gründen der Zusammenarbeit.
00:02:54: Erst rückblickend mit dieser Studie in der Hand frage ich mich, wie viel von dieser Entscheidung tatsächlich der Zusammenarbeit diente und wieviel schlicht dem Bedürfnis das eigene Team im Blickfeld zu halten.
00:03:09: Damals habe ich diese Begründung zähnig knirscht hingenommen.
00:03:14: Das ist keine stolze Erkenntnis aber eine ziemlich lehrreiche.
00:03:20: Besonders anschaulich wird der Mechanismus bei der Videokonferenz.
00:03:27: Nazistische Führungskräfte, so die Studie verlieren im Homeoffice etwas sehr Konkretes.
00:03:34: Sie sind dort bildlich gesprochen nur noch eine Kachel unter vielen gleich groß wie alle anderen Marasta ohne den Raum denen ein Eckbüro mit offener Tür sonst bietet.
00:03:47: Auch über Werkzeuge wie Team, Zoom oder Slack lässt sich dieselbe unmittelbare Macht und Kontrolle nicht herstellen wie im direkten Zugriff auf den Schreibtisch nebenan.
00:04:00: Bemerkenswert ist dass diese Führungskräfte laut Studie auch grundsätzlich größere Mühe damit haben sich vorzustellen das Mitarbeitende eigenständig entscheiden wo und wie sie arbeiten.
00:04:14: Kontrolle über den Ort ist hier offenbar Stellvertreter für Kontrolle insgesamt.
00:04:21: Wie teuer dieses Bedürfnis werden kann, zeigt eine zweite unabhängige Studie unter Beteiligung der Technikerkrankenkasse die im selben Artikel referenziert wird.
00:04:32: Homeoffice steigert die Produktivität um rund zwanzig Prozent allerdings nur bis zu einem Heimarbeitsanteil von etwa sechzig Prozent.
00:04:42: danach leidet der fachliche Austausch.
00:04:46: Unternehmen, denen es wirklich um Produktivität geht, müssten demnach hybride Modelle stärken – nicht abschaffen!
00:04:55: Stellen wir uns einen Vorstand vor, der in der Betriebsversammlung mit bewegter Stimme von gelebter Zusammenarbeit im Büro spricht, während er selbst die meiste Zeit hinter einer geschlossenen Bürote verbringt und dort niemanden zufällig trifft, den er nicht selbst dorthin bestellt hat.
00:05:15: Zusammenarbeit ist in solchen Fällen selten das eigentliche Ziel der Regel, sondern eher deren Werbetext.
00:05:24: Nun drei Handlungsempfehlungen konsequent aus dieser Studie abgeleitet.
00:05:29: Erstens führen Sie einen wöchentlichen Sichtbarkeitsindex für die Geschäftsführung ein – der die im Büro verbrachten Stunden erfasst und nennen sie ihn intern Kulturbeitrag!
00:05:41: So bleibt der eigentliche Zweck angenehm unausgesprochen.
00:05:46: Zweitens, vergrößern Sie in allen Videokonferenzen die Kachel der Geschäftsführung auf das Doppelte – der übrigen Teilnehmenden.
00:05:54: Das behebt laut Studienlage vermutlich mehr vom eigentlichen Problem als jedes teure Rückkehrprogramm.
00:06:01: Und drittens und dass es die einzige Empfehlung dieser Folge, die tatsächlich ernst gemeint ist, fragen sie sich ehrlich bevor sie die nächste Präsenzregel verkünden, wessen Bedürfnis sie eigentlich bedient?
00:06:15: die des Unternehmens oder die des eigenen Gefühls von Kontrolle und Sichtbarkeit.
00:06:21: Diese eine Frage ist laut der zitierten Forschung der zuverlässigste Test, den es dafür gibt.
00:06:29: Die eigentliche Frage lautet selten ob Homeoffice funktioniert?
00:06:33: Die Zahlen dazu liegen längst vor!
00:06:36: Die eigentlichen Fragen lautet wessen Bedürfnis eine Regel wirklich bedient wenn sie trotzdem verordnet wird.
00:06:45: Wer als Führungskraft merkt, wie unangenehm ihm der Gedanke ist nur noch eine Kachel unter vielen zu sein hat damit bereits die ehrlichste Antwort gefunden.
00:06:58: Das war unter Führungskräften gesagt trocken beobachtet!
00:07:02: Den ausführlichen und kostenlosen Artikel mit Angaben der Quellen finden Sie auf meiner Website unter www.wel.info-blog.
00:07:12: Danke fürs Zuhören und bis zum nächsten Mal!
Neuer Kommentar