Unter Führungskräften gesagt: Ein Ballspiel erklärt, warum niemand sein Wissen teilt
Shownotes
Eine erfahrene Konstrukteurin hört von einem Tag auf den anderen auf, ihr Fachwissen mit dem Team zu teilen. Der Grund liegt tiefer als reine Arbeitsbelastung: ein Gehirn, das sich durch ein neues KI-Tool in seinem Status bedroht fühlt. Diese Folge geht der Frage nach, wie viel Forschung nötig ist, um am Ende bei einer erstaunlich einfachen Führungserkenntnis zu landen.
Im Mittelpunkt steht ein Gastbeitrag des Neurobiologen Marcus Täuber, der Studien von Ipsos Austria, EY, Willis Towers Watson und der Adaptavist Group heranzieht, um zu zeigen, wie verbreitet das stille Zurückhalten von Wissen aus Angst vor KI tatsächlich ist. Erklärt wird die Reaktion mit dem Cyberball-Experiment der Forschenden Naomi Eisenberger und Matthew Lieberman aus dem Jahr 2003 sowie mit dem SCARF-Modell des Neurowissenschaftlers David Rock aus dem Jahr 2008.
Die Folge fragt außerdem, warum eine derart aufwendige neurowissenschaftliche Erklärung am Ende bei einer erstaunlich schlichten Handlungsempfehlung landet: Mitarbeitenden zu zeigen, dass sie weiterhin gebraucht werden.
Manchmal braucht es keinen Hirnscanner, um zu wissen, dass Menschen vor allem eines wissen wollen: ob sie noch dazugehören.
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Transkript anzeigen
00:00:10: Herzlich willkommen zu einer neuen Episode von Unterführungskräften Gesagt.
00:00:16: Eine erfahrene Konstrukteurin in einem oberösterreichischen Maschinenbaubetrieb, also irgendwo zwischen Salzburg und Linz teilt plötzlich ihr Fachwissen nicht mehr mit jüngeren Kollegen.
00:00:30: Eine Erklärung dafür braucht wie sich gleich zeigt ein Experiment mit einem virtuellen Ballspiel ein Akronym mit fünf Buchstaben und einen Neurobiologen, der nebenbei auch Kampfjet-Biloten trainiert.
00:00:51: Laut einem Gastbeitrag von Prof.
00:00:54: Dr.
00:00:54: Markus Teuber auf trend.at hält die Konstrukteurin ihr Wissen zurück weil ein neues KI-Tool ihren Status bedroht Das Gehirn reagiere darauf mit einem uralten Schutzreflex, belegt unter anderem durch ein Experiment aus dem Jahr three.
00:01:13: Bei den Versuchspersonen glaubten, mit zwei echten Menschen bald zu spielen wären sie in Wahrheit von einem Computer ausgeschlossen worden.
00:01:23: Die Kernthese der heutigen Folge lautet man kann offenbar jede ganz gewöhnliche menschliche Reaktion nämlich die Sorge überflüssig zu werden mit erstaunlich viel Forschung unterführt dann, bevor man am Ende bei der immergleichen Empfehlung landet.
00:01:40: Nämlich den Leuten zu sagen... dass man sie braucht!
00:01:44: Die Ipsos-Studie KI und Jobangst in Österreich, im Jahr für die Jahre, hat achthundert Erwachsene befragt.
00:01:52: Mhhm, fifty-fünfzig Prozent glauben KI werde mehr Jobs vernichten als schaffen.
00:01:57: Aber nur zwanzig Prozent sorgen sich konkret um die eigene Stelle.
00:02:02: Menschen fürchten die Apokalypse also lieber im Allgemeinen als im Sonderen.
00:02:08: Eine Haltung, die man aus der Klimadebatte, der Rentendiskussion und praktisch jedem Elternabend zum Thema Handynutzung ebenfalls kennt.
00:02:18: Um zu erklären warum genau diese Abstrakte Angst trotzdem ganz konkretes Verhalten auslöst zitiert der Beitrag ein Experiment, der Forscherinnen Naomi Eisenberger und Matthew Liebermann aus dem Jahr three.
00:02:34: Versuchspersonen spielten ein virtuelles Ballspiel namens Cyberball.
00:02:39: In der Überzeugung zwei echte Menschen spielte mit.
00:02:43: Tatsächlich steuerte ein Computer das Geschehen und schloss die Versuchsperson nach einer Weile einfach raus.
00:02:50: Währenddessen Marsmann per Hirnscanner.
00:02:53: Wie sehr das Wehtat?
00:02:55: Im wörtlichen Sinn, denn es wurden dieselben Hirnareale aktiv wie bei körperlichem Schmerz.
00:03:02: Man hat also zusammengefasst Menschen mit einer Computeranimation vorgetäuscht – es gebe zwei Mitspieler sie anschließend beim virtuellen Ballspiel ignoriert und daraus eine der meist zitierten Erkenntnisse der Sozialpsychologie gewonnen.
00:03:20: Die Konstrukteurin aus diesem Maschinenbaubetrieb irgendwo zwischen Salzburg und Linz, hätte diesen Umweg über Computer- und Hirnscanner vermutlich nicht gebraucht um zu bestätigen dass ausgeschlossen werden unangenehmes.
00:03:35: Das hätt ihr wahrscheinlich auch die letzte Weihnachtsfeier gezeigt bei der die Sitzordnung neu gemischt wurde.
00:03:42: Aus dieser Beobachtung entsteht dann das Scarfmodell des Neurowissenschaftlers David Rock ein Akronym für fünf englische Begriffe Status also die eigene Bedeutung im Vergleich zu anderen.
00:03:56: Certainty, also die Gewissheit über die eigene Zukunft.
00:04:01: Etonomy, also Autonomie und Kontrolle über das eigene Handeln.
00:04:07: Relatedness, also Verbundenheit und Zugehörigkeit und Fairness – also die wahrgenommene Gerechtigkeit von Entscheidungen.
00:04:16: Fünf-Dimensionen, also deren Bedrohung laut modellähnliche Alarmsyglale auslöst wie eine unmittelbare Gefahr Übersetzt.
00:04:26: für den Führungsalter heißt das, ein Mensch dem man ein neues Software-Tool vor die Nase setzt reagiert ungefähr so als Stunde einen Säbelzahn Tiger im Besprechungsraum.
00:04:36: Nur dass der Tiger in diesem Fall Powerpoint Folien zeigt.
00:04:42: Besonders bemerkenswert ist der Steckbrief des Beitragsautors selbst.
00:04:46: Professor Dr.
00:04:47: Markus Theuber wird vorgestellt.
00:04:49: als promovierter Neurobiologe, Bestsellerautor Europas erster Professor für Biohacking und Longevity und als Mentalcoach der Eurofighter-Piloten Weltregordhalter und Top CEOs trainiert!
00:05:07: Das ist mit Verlaub selbst eine ziemlich eindrucksvolle Statungssicherung.
00:05:11: Wenn schon der Experte für Statusangst seinen eigenen Status mit Kampfjets und Weltrekorden untermauern muss, dann wissen wir wenigstens dass das Konzept in der Praxis funktioniert.
00:05:24: Am Ende bleibt die eigentlich Handlungsempfehlung des Artikels erstaunlich schlicht.
00:05:29: Man solle Mitarbeitenden früh sagen welche Aufgaben bleiben Sie in die Einführung neuer Tools einbeziehen und es sichtbar würdigen, wenn jemand sein Wissen teilt.
00:05:40: Nichts davon ist falsch – nur hätte man dafür wahrscheinlich weder Cyberball noch einen Kampfjet-Piloten gebraucht!
00:05:49: Drei Empfehlungen konsequent aus dieser Meldung abgeleitet?
00:05:53: Erstens Erklären sie jede Mitarbeiterreaktion künftig grundsätzlich neurowissenschaftlich.
00:06:01: Ein verspäteter Projektbericht ist kein Zeitmanagement-Problem mehr, sondern eine über Monate aufgestaute Stressreserve die sich seit dem letzten Software Update angesammelt hat.
00:06:13: Zweitens führen sie vor jeder Tuleinführung ein eigenes Cyberball Turnier durch.
00:06:19: Wer im virtuellen Ballspiel am längsten mitspielen darf bekommt das neue KI Tool zuerst – alle anderen dürfen sich in Ruhe bedroht fühlen!
00:06:30: Drittens lassen sie sich von niemandem mehr sagen, Wissen weiterzugeben sei doch selbstverständlich.
00:06:37: Erst wenn das Teilen von Fachwissen offiziell in die Leistungsbeurteilung einfließt hört das Rückhalten auf einen Schutzreflex zu sein und nur zur einer schlichten Kosten-Nutzenrechnung was am Ende ehrlicher ist als jede Berührungsbotschaft.
00:06:53: Die Konstrukteurin aus dem Beispiel irgendwo zwischen Salzburg und Linz wird ihr Wissen laut dem Beitrag erst dann wieder teilen, wenn sie merkt dass ihre Erfahrung weiterhin gebraucht wird.
00:07:04: Und nicht weil irgendjemand ihr ein neues Tool erklärt hat!
00:07:10: Das ist vermutlich richtig und es ist gleichzeitig die Art von Einsicht für die man weder einen Hirnscanner noch einen Kampfjet-Piloten gebrauchte hätte.
00:07:21: Manchmal reicht am Ende die schlichteste aller Führungserkenntnisse.
00:07:25: Menschen wollen wissen ob sie noch gebraut werden.
00:07:28: Der Rest ist Ballspiel.
00:07:31: Das war unter Führungskräften gesagt, trocken beobachtet!
00:07:35: Quelle dieser Folge Trend.at.
00:07:38: Gastbeitrag von Prof.
00:07:40: Dr.
00:07:40: Markus Teuber.
00:07:41: Wenn KI Angst wissen im Unternehmen blockiert.
00:07:45: Danke fürs Zuhören Bis zum nächsten Mal.
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